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Feierabendziegel

Bevor Ziegelrohlinge maschinell produziert werden konnten, mussten sie im sogenannten Handstreichverfahren hergestellt werden. Dabei wurde der feuchte, weiche Lehm vom Ziegler in einen entsprechend geformten Holzrahmen gedrückt und glatt gestrichen. Der so entstandene Rohling konnte aus der Form gestürzt, getrocknet und dann gebrannt werden.

Ziegel mit geritzten Mustern, Symbolen, Zeichnungen oder Inschriften bezeichnet man volkstümlich als Feierabendziegel ausgehend von der Vorstellung, dass die hart arbeitenden Ziegler erst nach getaner Arbeit zur Muße und kreativen Gestaltung fanden. Vor allem Dachziegel wurden auf diese Weise verziert.

Feierabendziegel mit Rosenkranzmotiv und Wasserlinie

Lehm, gebrannt, 39 x 18 x 5 cm
um 1700
WIM 1995/1083

In der Forschung werden gestaltete Dachziegel heute je nach Art der Einritzungen unterschieden. Mit Schutzziegeln sollte die schützende Funktion des Hausdaches noch verstärkt werden. Sie tragen entweder christliche oder weltliche Symbole und sollten damit als Glücksbringer fungieren oder Unheil abwenden.

In der Museumssammlung finden sich zahlreiche gestaltete Ziegel aus dem 17., 18. und 19. Jahrhundert. Dieser um 1700 entstandene Schutzziegel zeigt einen Rosenkranz. Die einzelnen Perlen sind als kugelrunde Vertiefungen in den noch weichen Lehm gedrückt worden. Außerdem hat der Ziegler mit dem Finger eine Vertiefung, eine sogenannte Wasserlinie, in den Lehm gedrückt, die dem ablaufenden Regenwasser die Richtung vorgeben sollte.

Feierabendziegel mit Blumenmotiv und Inschrift

Lehm, gebrannt, 39 x 17 x 5 cm
um 1712
WIM 1998/488


Inschriftenziegel zeigen Sprüche, den Namen oder die Initialen des Zieglers, Datierungen sowie Verzierungen. Außerdem gibt es auch gestaltete Ziegel mit anderen speziellen Funktionen, wie etwa sogenannte Zählziegel. Für die im Stücklohn arbeitenden Ziegler war die Anzahl der gestrichenen Ziegelrohlinge maßgeblich.

Dieser Inschriftenziegel zeigt die Jahreszahl 1712, ein Blumenmotiv, darunter die Inschrift FILLIB und HMRM sowie mit einem Kamm eingeritzte Linien und Wasserlinien. Mit Beginn der industriellen Herstellung gingen die Ziegeleien dazu über, Stempel mit Firmennamen oder Produktnummern zu verwenden.